fotografische Effekte

fotografische Effẹkte,
 
spezielle Erscheinungen bei fotografischen Prozessen, die die Ergebnisse beeinflussen und zum Teil zu bildnerischen Zwecken genutzt werden können. Man unterscheidet Belichtungs-, Entwicklungseffekte sowie Erscheinungen abweichender Ursache (z. B. Callier-Effekt). Zu den wichtigsten Belichtungseffekten zählen die auf dem Reziprozitätsfehler beruhenden Effekte: Das bunsen-roscoesche Reziprozitätsgesetz ist in der Fotografie nur erfüllt, wenn sich der Zeitfaktor in einem bestimmten Intervall bewegt. Zu kurze (< 1/1000 s) und zu lange (> 1 s) Belichtungszeiten führen zu einer Empfindlichkeitseinbuße des photographischen Materials (Kurzzeitfehler, High intensity reciprocity failure, HIRF, beziehungsweise Langzeitfehler, Low intensity reciprocity failure, LIRF, Schwarzschild-Effekt). Der Reziprozitätsfehler ist von der Schicht und vom Schichtenaufbau abhängig; er führt nicht nur zu Unterbelichtung, sondern bei mehrschichtigen Farbmaterialien auch zu Farbfehlern. Seine Ursache ist darin zu suchen, dass es sich bei der Entstehung des latenten Bildes um einen Mehrquantenprozess handelt und dass der Urkeim des latenten Bildes (Fotografie) nicht stabil genug ist, sondern in Sekundenbruchteilen wieder thermisch zerfällt, andererseits die sich auf Zwischengitterplätzen aufhaltenden Ag+-Ionen sich nur relativ langsam zu den Störstellen hinbewegen und dort entladen werden. Man kompensiert den Reziprozitätsfehler durch Einführung eines Schwarzschild-Exponenten p (der aber auch von der Belichtungsdauer abhängig ist). Der Langzeitfehler lässt sich durch Hypersensibilisierung, der Kurzzeitfehler durch Latensifikation (wobei die erzielte Schleierschwärzung jedoch zur Bildumkehr führen kann: Clayden-Effekt) verbessern. - Andere Belichtungseffekte: Becquerel-Effekt (eine unsensibilisierte Emulsion wird durch diffuse Vorbelichtung mit UV-Licht für Grün und Gelb sensibilisiert), Herschel-Effekt, Solarisation.
 
Entwicklungseffekte sind auf Diffusionsvorgänge der Entwicklungsprodukte in der Schicht zurückzuführen, z. B. diffundiert das Bromid aus stark geschwärzten Partien in die weniger gedeckte Umgebung und verhindert deren Entwicklung (Kanten-, Saum- oder Eberhard-Effekt); andere Produkte haben eine gerbende Wirkung auf die Schichtgelatine (Gelatine- oder Ross-Effekt). Diese Nachbareffekte sind zum Teil erwünscht, da sie schärfeverbessernd und kontrasterhöhend wirken (z. B. als vertikaler Eberhard- oder Interimage-Effekt auf benachbarte Farbschichten). Ein Belichtungs- und Entwicklungseffekt ist die Pseudosolarisation (Sabattier-Effekt).

Universal-Lexikon. 2012.

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